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Digitale Bilder aus der Galle

15.02.2017

Probleme mit der Galle, vor allem mit Gallensteinen, sind sehr verbreitet. Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen. In der Klinik Kösching wird zur Diagnose und Behandlung bei Gallenwegserkrankungen ein neues Gerät eingesetzt: das so genannte "SpyGlass".

Das SpyGlass - ein Instrument, das die Diagnostik im Bereich der Gallenwege jetzt auch in der Klinik Kösching erweitert.

„Das Gerät ermöglicht uns einen direkten Einblick in den Gallengang, einer ganz dünnen Röhre, die beim Gesunden nur einen Durchmesser von 4 Millimetern hat“, erklärt Dr. Lars Langeloh, Internist und Gastroenterologe in der Klinik. Er hat das SpyGlass schon mehrmals verwendet. Zum Einsatz kommt es vor allem bei Patienten, bei denen sich große Gallensteine im Gallengang eingeklemmt haben, die vor Entfernung zertrümmert werden müssen. Auch zur gezielten Diagnostik von Engstellen im Gallen- oder Bauchspeicheldrüsengang wird es eingesetzt.

Das Standardverfahren zur Darstellung der Gallenwege ist die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP). Dabei wird ein kleiner Katheter in die Mündung des Gallengangs im Zwölffingerdarm hineingeschoben. Bisher konnte man nur den Gallengang durch das Einspritzen von Kontrastmittel unter Röntgenkontrolle sichtbar machen. Dabei ließen sich beispielsweise Steine als Aussparungen darstellen. Mit dem Spyglass ist es nun erstmals möglich, statt dem herkömmlichen Katheter einen Kamera-Katheter mit einer Mini-6000-Pixel- Lichtwellenleiter-Sonde einzuführen und somit die Steine direkt im digitalen Live-Bild darzustellen.

„Die Kamera liefert hochaufgelöste digitale Bilder. Damit sind auch kleine pathologische Veränderungen im Gangsystem gut zu erkennen, die bisher mitunter nicht zu erkennen waren“, erklärt Dr. Langeloh. Entzündungen, Steine und Tumore können dadurch mit größerer Sicherheit aufgespürt werden.

Der Clou: ein kleiner Arbeitskanal, der sofortige Behandlung ermöglicht

Ist ein Problem erkannt, können direkt Maßnahmen zur Therapie eingeleitet werden. Der Clou ist, dass der Kamera-Schlauch des SpyGlass zusätzlich einen kleinen Arbeitskanal aufweist. "Über diesen kleinen Arbeitskanal kann eine kleine Sonde eingeführt werden, mit der große Steine unter Sicht elektrohydraulisch zertrümmert und nachfolgend als kleine Fragmente aus dem Gang gezogen werden können. Auch eine winzige Zange kann eingeführt werden, mit der unter Sicht gezielt Gewebeproben aus Veränderungen wie kleinen Tumoren genommen werden können", erklärt Dr. Langeloh. Das Spy-Glass selbst kann dabei im Gallengang in alle vier Richtungen bewegt werden, so dass eine gezielte Fokussierung auf pathologische Veränderungen möglich ist. Dies ermöglicht eine genauere und verbesserte Diagnostik, eine schonendere Entfernung größerer Steine und reduziert erforderliche Zweiteingriffe.

Ansprechpartner:

Gastroenterologie und Infektiologie in Kösching