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Wenn das Baby dauernd schreit

18.05.2017

Jedes fünfte Kind schreit in den ersten Lebensmonaten ohne erkennbaren Grund übermäßig viel. Um betroffenen Eltern zu helfen, informieren die Kliniken im Naturpark Altmühltal gemeinsam mit der Koordinierenden Kinderschutzstelle des Landratsamts (Koki) über Schreibabyambulanzen.

Anett Pohl (2.v.l.) und Christine Spiegl (2.v.r.) von Koki übergaben die Schreibabyaufkleber an Kliniken-Geschäftsführer Lorenz Meier (mi.), den Betriebsdirektor der Klinik Eichstätt Marco Fürsich (r.) und Sr. Marion Koderer (li.) von der Station 1.

Etwa jedes fünfte Baby schreit in den ersten Lebensmonaten ohne erkennbaren Grund übermäßig viel. Die Tage sind geprägt von wiederkehrenden Schreiattacken und Unruhe, übermäßigen Wut- und Trotzanfällen sowie Schlaf- und Fütterungsstörungen. Fachleute sprechen dabei von „Regulationsstörungen“. Eltern solcher Babys gelangen schnell an ihre Grenzen. Damit Erschöpfung, Verzweiflung und Unsicherheit nicht überhand nehmen, ist frühzeitige und professionelle Hilfe gefragt. Hier helfen in Bayern sogenannte „Schreibabyambulanzen“ und „Schreibabyberatungsstellen“ mit speziell geschulten Fachkräften weiter.

50 solcher Beratungsangebote wurden auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen seit 2008 geschaffen. Die Kliniken im Naturpark Altmühltal und die Koordinierende Kinderschutzstelle des Landratsamts Eichstätt arbeiten zusammen, um Aufmerksamkeit für die Beratungsangebote zu schaffen.

Ab sofort erhält jede Mutter, die ihr Baby in den Kliniken in Eichstätt und Kösching bekommt, das gelbe Untersuchungsheft mit einem speziellen Aufkleber, auf dem Schreibaby-Beratungsstellen mit Kontaktdaten und Öffnungszeiten vermerkt sind. Der Aufkleber enthält auch Ratschläge, was Eltern bei akuter Überforderung durch anhaltendes Schreien tun können. Dazu gehört zum Beispiel das temporäre Abgeben des Kindes an den Partner oder die Großeltern. Auch Rat und Hilfe einzuholen gehört dazu. Hierfür sind auch die Hebamme oder die geburtshilfliche Station eine Anlaufstelle. „Wir geben jederzeit gerne Tipps, wenn Mütter oder Väter anrufen“, sagt Julia Föttinger, Stationsleitung der Station 1 in der Klinik Eichstätt. „Aber unsere Hilfe ist nur punktuell. Es ist wichtig, dass Eltern von Schreibabys langfristige Begleitung oder Hilfe erfahren.“

„Bisher finden noch wenige Eltern den Weg in die Beratungsstellen“, sagt Christine Spiegl von der Koordinierenden Kinderschutzstelle. Dies liege an der geringen Bekanntheit der Einrichtungen. Auch kämen einige Eltern, deren Babys exzessiv schreien, nicht an ihre Grenzen und benötigten daher keine Hilfe. „Andauerndes Schreien kann jedoch überfordern. Diese Situation lässt sich vermeiden, wenn die Eltern rechtzeitig Ansprechpartner bekommen, die helfen können.“

Gestartet wird das Projekt zunächst mit 1.500 Aufklebern für die U-Hefte der Kliniken in Eichstätt und Kösching. Danach wird es mit jährlichen Auflagen weitergehen. Auch in anderen Landkreisen könnte das Projekt Schule machen. „Denn Schreibabys sind kein regional begrenztes Problem. Mütter und Väter brauchen flächendeckend Informationen darüber, wo sie Hilfe erhalten können“, sagt Christine Spiegl.